Barrierefreiheit Konferenzen – One speaker slot free.

Heute morgen habe ich oeffentlich bekannt gegeben das ich so langsam keine Lust mehr habe auf Barrierefreiheit Konferenzen zu sprechen. Das kam als Ueberaschung fuer so manche meiner Kontakte die mich persoenlich kennen und wissen, wie sehr die Verbesserung der Barrierefreiheit fuer mich ein Teil dessen ist was mich jeden Tag und Nacht an den Rechner bringt.

Der Grund fuer meine Frustration sind die ersten Blogreaktionen auf meinen Vortrag am A-Tag in Wien. Dabei ist es mir die Kritik an meinem Vortrag egal – im Gegenteil. Ich hoere mir jeden meiner Vortraege im Fitnessstudio an um das naechste mal besser zu sein, und finde es klasse, sinnvolle Kritik zu bekommen, da ich mich immer verbessern will.

Was mich erschuettert hat ist das Misverstaendnis fuer die Hauptidee des Vortrages. Ich habe vor ein paar Wochen einen aehnlichen Vortrag in London gehalten und eine Menge persoenliche emails und Anfragen bekommen wo man den mehr Informationen zu den gezeigten Beispielen bekommen kann. Genau das ist es was ich mit diesem Vortrag erreichen wollte.

Die barrierefreie Welt scheint vergessen zu haben was uns als Menschen antreibt, vergessen das es darum geht neue Wege zu beschreiten und der Welt zu zeigen das barrierearme Produkte fuer alle besser sind und mehr Erfolg bringen. Webentwickler sind sehr einfach zu begeistern und wollen alles ausprobieren. Weiterhin wollen Entwickler einfache, sinnvolle Loesungen und wir bieten diese nicht.

Letztes Wochenende sah ich den neuen Pixar Film Up in 3D hier in England und war hin und hergerissen wie schoen und technisch beeindruckend ein Film sein kann. Ich war auch sehr daran erinnert, wie sich die Barrierefreiheit derzeit gibt:

Webdevelopment und Barrierefreiheit

Der Film zeigt einen begeisterten Jungen der grosse Abenteuer erleben will, und seine spaetere Frau trifft, die diese Leidenschaft teilt. Sie sammeln jahrelang Geld um nach Suedamerika zu gehen, doch immer wieder geht das Geld fuer Reparaturen, Operationen und anderen tagtaeglichen Ausgaben raus. Als die Frau stirbt, wird der ehemalige Abenteurer ein alter, verbitterter Mann der nur noch alleine sein will. Als er ins Altersheim gesteckt werden soll, da er eine Gefahr fuer sein Umfeld darstellt (nachdem er einen Bauarbeiter mit seinem Stock verletzt hat) packt der Mann sein Haus voller Ballons und fliegt damit nach Suedamerika. Als seine letzte Reise will er das Haus dahin bringen, wo seine Frau es schon immer haben wollte. Aus Versehen kommt ein Pfadfinderjunge auf die Reise mit, der von allem was er sieht begeistert ist und damit dem Mann wahnsinnig auf die Nerven geht. Waehrend ihrer Reise und den Sachen die sie erleben erinnert sich der Mann allerdings an den begeisterten Jungen von frueher und lebt wieder auf.

Das Aufleben und das Verstaendis fuer das was Entwickler antreibt ist was derzeit fehlt. Das ist allerdings nur meine Meinung und ich wuerde mich freuen zu sehen das ich falsch liege.

Ich spuere viel Bitterkeit in Gespraechen und Texten und, was mich am meisten nervt, viel Detailverliebtheit wenn es darum geht meckern zu koennen. Wenn ein anderer Vortragender am A-Tag meinte es dauert noch ein paar Wochen bis der Vortrag online ist da ja erst eine barrierefreie Version erstellt werden muss dreht sich mir der Magen um. Das ist genau das, was wir Firmen erzaehlen das eben nicht der Fall ist – Barrierefreiheit sollte nich laenger dauern. Ausserdem schiessen wir uns mit dieser Einstellung selbst in den Fuss da diejenigen, die eine reine HTML Version und alles Moegliche brauchen nicht die sind die unsere positiven und sinnvollen Vortraege zum Thema Barrierefreiheit brauchen. Gebraucht wird diese Information von allen ausserhalb unserer kleinen Welt, Barrierefreiheit muss Mainstream werden und nicht die Aufgabe einer Minderheit von Experten die sich gegenseitig was erzaehlen und dann meckern was denn nicht 100%ig perfekt sei.

Ich mache mir eine Menge Arbeit mit meinen Vortraegen. Ich recherchiere ueber Wochen, halte niemals den gleichen Vortrag zweimal, nehme eine Audioversion auf und schreibe HTML Notizen zu den Slides. Alles das geht creative commons raus und kann weiter verwendet werden (was meines Wissens nach im deutschsprachigen Raum noch nicht passiert ist).

Was kommt zurueck? Geistige Abhandlungen ueber den Titel des Vortrags und vollkommenes Misverstaendnis der Aussage des Vortrags (“Warum sagst du in der Oeffentlichkeit das wir keine Barrierefreiheit Gesetze brauchen?”). Dabei bin ich nicht allein. Der Vortrag von Jens Grochtdreis war ein Spitzenbeispiel dafuer wie man HTML5 und andere neue Techniken schmackhaft machen kann doch das einzige was weitergebeben wurde ist “das wir am Anfang stehen” und das wurde dann faelschlicherweise mit Barrierefreiheit verbunden.

Derzeit muss ich mich fuer 5 weitere Konferenzen vorbereiten und habe jetzt ein paar Stunden damit verbracht mal zu lesen was so alles zu dieser “Kontroverse” geschrieben wurde.

Hier sind ein paar Fakten aus meinem Leben:

  • Um beim A-Tag zu sprechen hab ich den Open Hack Day in New York sausen lassen, nachdem ich mich mit vielen Firmen (unter Anderem der Newsweek) abgesprochen habe. Fuer meine Karriere in der Firma war das eine richtig schlechte Idee. Fuer mich selbst hat es mich auch geaergert da es fuer mich derzeit darum geht Daten ins Netz zu bekommen um sie dann in guten Interfaces (ja, barrierefrei) darzustellen.
  • Barrierefreiheit wird in meiner Firma behandelt, aber auch hauptsaechlich weil ein paar Entwickler und Manager sich dafuer einsetzen. Wenn es diese nicht gaebe wuerde auch Dienst per Vorschrift gemacht und eine Testfirma geholt die uns sagt das wir 508 compliant sind. Die Argumente das ich ja einfach reden koennte da meine Firma ja eine einfache Umgebung sei sind daher nicht nur vollkommen falsch sondern auch richtig verletzend. Jahrelang haben wir davon getraeumt das Firmen von unserer groesse Standard- und Barrierefreiheitverfechtern wie mir zuhoeren. Jetzt da es passiert wird es als gottgegeben dargestellt damit man doch wieder erzaehlen kann wie schwer es doch ist ein Wordpress Template barrierefrei fuer die kleine Seite machen. Tip: macht es einfach.
  • Seit Jahren bin ich der Entwickler der als schwierig angesehen wird weil ich ja “den Barrierefreien Kram” machen will. Es ist eine wahre Sysiphusarbeit Entwicklern zu erklaeren das Barrierefreiheit nicht nachher kommt und auch nicht vom CMS erledigt wird. Diese Rolle macht mir keinen Spass und meine Idee war es das Interesse von Entwicklern mit dem Wissen der Barrierefreien Welt zu vermischen. Offenbar ist das nicht mein Talent.
  • Jede Firma hat Angst davor in der Oeffentlichkeit ueber Barrierefreiheit zu reden da die “Szene” auf kleinen Details rumhackt anstatt zu helfen das etwas passiert. Ich habe mehrere Monate gebraucht unsere PR Abteilung zu ueberzeugen das ich als Mitarbeiter auf Barrierefreiheitkonferenzen gehen kann und fuer die Firma sprechen darf. Die Angst, verklagt zu werden haelt viele Firmen davon ab, der Welt zu zeigen das ein Schritt in die richtige Richtung unternommen wird.
  • Teil meines Jobs ist es, Entwicklern unsere Technologie zu zeigen und Konferenzen die sich um Barrierefreiheit drehen sind dabei ganz tief auf der Interessensliste. Dieses Jahr habe ich einige fuer die Firma wichtigere Termine sausen lassen um der Welt der Barrierefreiheit ein paar niegelnagelneue Sachen zu zeigen die Fachkompetenz von Barrierefreiheit Experten benoetigen um nicht schlecht zu werden.

Daher habe ich mich entschlossen mich auf Sachen zu konzentrieren, bei denen ich helfen und etwas bewegen kann. Wenn es wirklich nur um Zwang und Gesetze geht das sich in Deutschland was bewegt, dann sollten wir uns darauf konzentrieren das die Gesetze gut werden, sich alle halbe Jahre aendern koennen und auch sinnvoll von Firmen umgesetzt werden. Im Endeffekt muss der Mensch einen Vorteil davon haben, nicht die Anwaelte oder die Checkliste.

Eventuell hat Artur recht.

Das funktioniert nur mit Zwang, Gesetzen – eben mit Druck von oben. Wenn Christian aber oeffentlich fordert, dass es keinen Druck von oben geben sollte, fuehrt es fuer mich nur zu einem barrierefreiem “Good Will” Flickwerk im Netz, mit dem ich aber nicht alles das machen kann, was ich machen muesste. Solche Forderungen kann nur jemand stellen, der selbst nicht behindert ist und nicht staendig vor nicht barrierefreien Seiten steht und 11 Jahre nach der WCAG 1.0 bei einigen Webseiten fast Wutanfaelle bekommt.

Ich bin daher ein grosser Fan von denen, die Zeigen das es auch anders geht. Hut ab vor euch, die dem Staat beibringen das etwas passieren muss. Ich helfe gerne, die Richtlinien Entwicklern zu erklaeren, wenn sie denn fertig sind.

27 Responses to “Barrierefreiheit Konferenzen – One speaker slot free.”

  1. yatil (Eric Eggert) Says:


    Fuehle mich entmutigt und lustlos. RT @codepo8: Zum Thema Barrierefreiheitkonferenzen und meinen Vortraegen: [link to post]

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  2. joville (Jo Spelbrink) Says:


    RT @codepo8: Zum Thema Barrierefreiheitkonferenzen und meinen Vortraegen: [link to post]

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  3. fernmuendlich (Maik Wagner) Says:


    DA mal nachlesen: @codepo8 und seine Frustration ueber seine Vortraege, die BF-Szene, und den Umgang miteinander: [link to post]

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  4. Levistica (Michaela Hachemer) Says:


    @codepo8 ich hoffe du kommst uns dennoch bald mal wieder in Deutschland besuchen und erzaehlst uns von spannenden neuen Themen.

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  5. sprungmarker Says:

    “Wenn ein anderer Vortragender am A-Tag meinte es dauert noch ein paar Wochen bis der Vortrag online ist da ja erst eine barrierefreie Version erstellt werden muss dreht sich mir der Magen um.”

    Hm – so sollte das natuerlich nicht ankommen. Das war anders gemeint. Ich mache das eher als Frischling und wollte mir das halt beibringen, wie so was halt auch alles barrieriefrei geht. Das war alles. Aber da der A-Tag ja ohnehin spaeter ein Transkript und eine MP3-Datei zur Verfuegung stellt, ich in meinem Blog noch ein paar Infos dazu geben werde, reicht das die Praesentation in Slideshare einzustellen. Man darf auch noch selbst Dinge lernen und einsehen, denk ich. :)

    Ich hab halt auch oft eher einen “Perfektheitsdrang”, den muss ich auch lernen zu zaehmen.

    Ich sehe das genauso, dass die Infos zu den Vortraegen schnell online gehen sollen, weil es uns ja alle in der Arbeit schneller weiterbringen und inspirieren soll. Wie gesagt, den Magen wieder hochdrehen. :)

  6. Stefan Says:

    Lieber Chris, Dein Vortrag war grossartig und eine Inspiration – ich verstehe die Frustration, bitte Dich aber trotzdem instaendig, Dein Wissen und Deine Erfahrung weiterhin zu teilen! Bitte nicht aufgeben!

  7. tcaspers (CSS-Hooligan) Says:


    kann ich sehr gut nachvollziehen, was der @codepo8 zum Thema Barrierefreiheitskonferenzen schreibt: [link to post] – geht mir genauso

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  8. joville (Jo Spelbrink) Says:


    Ich habe mir heuer schon die Sinnfrage gestellt. Er machte neuen Mut! Jetzt stelle ich mir die Frage erneut. RT @codepo8 [link to post]

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  9. webstandardsmag (Webstandards-Magazin) Says:


    Barrierefreiheit, Du verlierst Deine wichtigsten Fuersprecher: [link to post] (via @codepo8, @yatil)

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  10. Regine Heidorn Says:

    Mich erinnert das an meine Abschlussarbeit vom Februar 2006 “CSS und Barrierefreiheit – Komfortzuwachs im Internet fuer Gestalter und Nutzer”. Es ist so verdammt wichtig, immer wieder zu zeigen, wie man mit leichten Mitteln mehrere Aspekte in der Entwicklung zusammenfuehren kann.

    Und wie man die einzelnen Akteure, die an der Webentwicklung beteiligt sind, richtig ansprechen kann. Es begeistert einen Webdesigner nunmal nicht, von Barrierefreiheit zu hoeren, es begeistert mehr, sich mit schoener Barrierefreiheit zu beschaeftigen, die das Design der gesamten Site verbessert (um mal dieses eine Beispiel rauszugreifen).
    Auch wenn ich die Haltung, wir braeuchten Gesetze, um etwas zu aendern, in diesem Fall verstehen und respektieren kann: wir kommen alle schneller voran, wenn wir direkt was aendern und uns nicht auch noch aufbuerden, Gesetze aendern zu wollen.
    Und, wichtigster Punkt (auch meiner erwaehnten Abschlussarbeit): Barrierefreiheit ist eben nicht nur eine wie-auch-immer-geartete Zusatzleistung, nein, auch Menschen und Maschinen, die etwas nicht als Barriere empfinden, freuen sich über elegantere Loesungen. Mein Beispiel in der Arbeit war die Einfuehrung automatischer Tueroeffner: ich konnte an meiner Uni damals beobachten, dass diese hauptsaechlich von “Normalos” benutzt wurden, klar, weil es ein Komfortzuwachs ist.

    Fazit: die Graeben sind nicht so gross, wie sie geredet werden. Und wenn jemand in seinem Beruf dafuer kaempft, Dinge elegant zu vereinfachen, dann sollte man im Fluss mitschwimmen und nicht sinnlose Staudaemme errichten – Panta rhei eben.

  11. sprungmarkers (Sylvia Egger) Says:


    Barrierefreiheit Konferenzen – One speaker slot free. @codepo8 [link to post]

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  12. roberthartung (Robert Hartung) Says:


    RT @webstandardsmag: Barrierefreiheit, Du verlierst Deine wichtigsten Fuersprecher: [link to post] (via @codepo8, @yatil)

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  13. webzeugkoffer (Björn Seibert) Says:


    Das mal noch lesen RT @codepo8: Zum Thema Barrierefreiheitkonferenzen und meinen Vortraegen: [link to post]

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  14. 2bweb (Jan Eric Hellbusch) Says:


    Sowas tut mir wirklich leid: [link to post] Unterstuetzung ist erforderlich.

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  15. Michael Gaigg Says:

    Wien, Wien, nur Du allein…. geh bitte!!! Nach 7 Jahren Section 508-K®ampf in Professional Services einer 4000-Mitarbeiter zaehlenden Firma in CA bin ich zu folgenden Folgerungen gekommen:

    - Barrierefreiheit ist eine Grammatik, die gelernt (und auf Unis gelehrt) werden muss; es ist Werkzeug eines “guten” Programmierers, so wie Rekursion, Vererbung und Garbage Collection (und Pointers hehe).

    - Nur das liebe Geld zaehlt; erst wenn die Vorteile die Nachteile aufheben gibt es Akzeptanz und Integration, d.h. die immer noch weitverbreitete Ansicht, Barrierefreiheit bedeutet zusaetzliche Kosten muss durch Zahlen widerlegt werden. Wie? Schwer, vor allem da selbst Bereiche wie user-centered design oft noch blank liegen… und da eben die Ausbildung fehlt und dadurch eigentlich erst die Zusatzkosten entstehen.

    - Gesetze helfen, das Thema in den Projektplan zu bekommen, aber die selben Gesetze helfen auch, den Unmut ueber die zusaetzliche, aufgebuerdete Arbeitslast freien Lauf zu lassen.

    - Letztendlich, leider ist OE kein wirklich guter Boden fuer Innovation im allgemeinen. Zu oft wird genoergelt, bemaengelt, diskutiert, mal sind wir gross, mal sind wir klein, das Neue wird meist belaechelt, harte Arbeit wird nicht belohnt, Vitamin B ist was zaehlt und mein bester Freund ist Politiker, beklagt sich seit Jahren, dass Spitzenkraefte ins Ausland wandern und kommt nicht auf die Idee, mich zu fragen warum ich nicht zurueck will… ok, sorry fuer die Verdrossenheit – CHRIS, gib nicht auf, Accessibility braucht Dich! …hoffe der big apple ist nicht sauer… keep up your spirits and seeing you around.

  16. infolust (Martin) Says:


    RT:Barrierefreiheit, Du verlierst Deine wichtigsten Fuersprecher [link to post]

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  17. cklavery (Clive K. Lavery) Says:


    RT @stn1978: RT @codepo8: Zum Thema Barrierefreiheitkonferenzen und meinen Vortraegen: [link to post]

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  18. Robert Lender Says:

    Lieber Christian,
    ich kann deine Gedanken nachvollziehen. Da setzt man sich – trotz aller “Pruegel” von der einen Seite – fuer eine Idee ein, und bekommt dann von der anderen Seite die “Pruegel”… (wobei ich jetzt Pruegel auch unter grossen Anfuehrungszeichen schreiben moechte – die Sprache ist ein sensibles Ding).

    Ich glaube, dass in der jetzigen Webdiskussion einiges vermischt wird, was gar nicht auf den jeweils anderen gemuenzt war. Und wie so immer holt man sich aus Vortraegen die eigenen Stichworte und reagiert je nachdem mit Vehemenz.

    Was es braucht sind Aktivitaeten in vielen Richtungen. Die einen, die bestimmten Personen ein wenig auf die “Fuesse steigen” und die anderen, die motivieren – insbesondere die, die prinzipiell lernbereit waeren.

    Wie ich in meinem Blog schon schrieb war mir dein Vortrag eine grosse Anregung, auch die positiven Ansaetze aufzunehmen, sie zu staerken und kreativ damit umzugehen. Und dabei sehe und erlebe ich durchaus all die Schwierigkeiten des Alltags, das Thema umzusetzen. Und ich nehme diesen Frust relativ gerne auf mich, wenn ich dazwischen einfach erleben und ausprobieren kann, wie auch andere Wege der Vermittlung gefunden werden, die durchaus auch Spass machen duerfen.

    Ich habe die einzelnen Blogartikel rund um deinen Vortrag durchaus als spannend angesehen. Als offenen Diskurs im Web. Aber er sollte schlussendlich uns dazu bringen, unterschiedliche Wege in die gleiche Richtung zu entwickeln und nicht im Frust enden. Das waere sehr schade.

    Daher hoffe ich, dass du auch beim naechsten A-Tag dabei bist (am Podium oder als anregender Teilnehmer). Vielleicht findet sich auch eine Plattform die unterschiedlichen Standpunkte, die – da schliesse ich mich Regine Heidorn (unbekannterweise) an – wohl gar nicht so unterschiedlich sind, zu eroertern und dabei auch neue Wege der Vermittlung und Umsetzung von Barrierefreiheit zu finden.

  19. patrick_h_lauke (patrick h. lauke) Says:


    RT @kliehm: .@codepo8 richtig angepisst von egozentrischen Barrierefreiheitsfunktionaeren [link to post] Begeisterung statt Gesetzeskeule

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  20. kliehm (Martin Kliehm) Says:


    .@codepo8 richtig angepisst von egozentrischen Barrierefreiheitsfunktionaeren [link to post] Begeisterung vermitteln statt Gesetzeskeule

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  21. cappuccinogruft Says:

    Servus, Christian,
    ich kenne solche Reaktionen wie Deine von mir selbst. Aber: So ist das Netz. Die Noergler noergeln, und man selbst vergisst schnell, dass die wichtigen Reaktionen beim und nach dem Vortrag positiv waren. Ich habe die Twitterwall verfolgt und da herausgelesen, dass der Vortrag sehr gut ankam. Wuerde mich also wundern, wenn Du das in Wien nicht erlebt hast. Das aufgeblasene “Ich weiss es aber besser”-Zeug, das sich dann spaeter im Netz findet (neben natuerlich auch berechtigten Anregungen), sollte man dagegen nicht einmal ignorieren.

    Das erspart auch nerviges und zeitfressendes Aufarbeiten – in der Zeit kann man wieder schoene Sachen machen. Hat mich auch eine Weile beschaeftigt, da es in meiner Branche (was mit Medien) aehnlich ist: Da sind die Pruegelverteiler immer ganz weit vorn, je weniger Fachwissen die haben, um so doller. Inzwischen wette ich einfach nur noch, wer wieder mault: Meistens gewinne ich und freue mich ;-)

    Gruesse,
    mischa

    (P.S. Was mich etwas an Deiner Reaktion gestoert hat, war das Herausstellen von New York. Das mag sein, wuerde ich aber immer fuer mich behalten, weil es sonst etwas in Richtung Posing geht. Aber das ist nur meine Sicht.)

  22. Chris Says:

    @mischa ja, das ist aber nicht mein Grund. Mein Grund ist das ich gerade in Deutschland scheinbar weniger was bewegen kann mit meiner Art mit Barrierefreiheit umzugehen. Fuer mich ist Barrierefreiheit kein Wunschgedanke oder ein Muss sondern ein Teil der Planung eines jeden Projektes. Wenn ich das anbringe wird mir vorgehalten das es in Yahoo ja so einfach waere und ich ja keine Ahnung haette was fuer Probleme Leute denn haetten. Die meisten dieser Probleme sind seit Jahren geloest und anstatt uns auf diese Loesungen zu konzentrieren und aufzuzeigen, wie sie erreicht wurden hat die deutsche Szene viel mehr Spass daran alte Probleme aufzuzeigen anstatt sich dafuer einzusetzen das kommende Technologien auch barrierefrei sind.

    Auf dem A-Tag gab es Spitzenbeispiele von linz.at und der Wiener Seite, beides geniale Beispiele wie etwas gemacht werden kann, aber gebloggt wird ueber falsch zitierte Schlagworte und angebliche Aussagen.

    Ich hab keine Zeit als “Auslaender” an rein deutschen Richtlinien mitzuarbeiten, da ich diese auch unsinnig finde da Barrierefreiheit ein weltweites Thema ist.

    Zum Thema NYC, stimmt, ich gebe mit solchen Sachen immer an, entweder sollte ich mal auch mein Dopplr Profil loeschen damit ich nicht als Angeber dastehe.

  23. digiom (jana Herwig) Says:

    Diese Noergelei und die detailversessenen Grabenkaempfe scheinen sich generell immer dann auf zu tun, wenn Leute sich um eine Thema scharen, dass ihnen wichtig ist. Irgendwie komisch, scheint aber ein Muster zu sein. Danke für das ehrliche Resuemee, auch jemand, der das nur am Rande mitbekommt, was sich in dieser Accessibility-”Szene” tut, konnte dem sehr viel entnehmen und zustimmen.

  24. Gerald - hyperkontext Says:

    Chris,

    ich fuehle mich zu einer Wortspende bemuessigt, weil du dich ja unter anderem auch auf meinen Artikel beziehst.

    Da du sehr emotional reagierst, schreibe ich hier auch jetzt nicht um die Sache an sich, sondern antworte dir mit meinem Gefuehl und Respekt auch in dieser Form.

    Du wirst uns doch nicht weismachen wollen, dass du wegen eines grantigen Wieners, der mit ein paar geschwollenen Absaetzen das Motto deines Vortrages ein bisschen aufbuerstet, einen wichtigen Job schmeissen willst.

    So ernst nehm ich mich ja selbst schon lange nicht mehr! Das kann doch nicht wahr sein Chris, geh bitte!

    Ich setze Scripts von dir ein, ich verfolge seit langer Zeit dein Blog, sehe mir die Slides und Videos von deinen Vorträgen an und habe mich echt gefreut, dich zum ersten Mal auch live erleben zu duerfen.
    Glaubst du im Ernst, die Absicht meines Rueckblickes sollte sein, deine Arbeit verunglimpfen zu wollen?

    Warum ich gerade deinen Vortrag herauspikte?

    Es liegt wohl daran, dass ich mit dem trivialisierenden Umgang des “Panta rhei” schon so meine persoenlichen Erfahrungen machte.

    Das liegt daran, dass ich selbst beobachtete, wie “Panta rhei” als Running-Gag monatelang unter Kollegen kursierte (“Alles fliesst, pass bloss auf, dass du nicht weggespuelt wirst”), weil irgendein Manager-Karli diese Metapher auf irgendeinem Luschen-Seminar wie einen trockenen Schwamm aufsaugte und bei jeder Gelegenheit ausdrueckte.

    Es liegt auch daran, dass ich mich auch mit Organisationsentwicklung beschaeftige und mit deinem gewaehlten Titel daher einen (Hyper)kontext verknuepfe, (der wohl den unmittelbaren Zusammenhang sprengt).

    Auch ich ticke emotional und reagiere natuerlich auf persoenliche Erfahrungen.

    Weil ich mir dessen bewusst bin, stellte ich bewusst die persoenliche Diskussion mit dir am Abend zurueck, aus Angst, zu emotional – und abgebunden vom eigentlichen Thema – darueber zu reden (und daher nicht ernst genommen werde).

    Ich wollte meine Gedanken dazu noch ordnen und ueberlegte eine Woche, ob ich diesen Zusammenhang, den ich mit deinem Thema herstelle, ueberhaupt aufs Tablet bringen sollte. Es war mir letztendlich wichtig und ich tat das mit meinem Rueckblick zum A-Tag.

    So What?

    Ob nun meine Sichtweisen und die Zusammenhaenge, die ich mit deinem Vortrag verknuepfe und auch nicht direkt auf die BF-Diskussion zu beziehen sind, richtig oder falsch sind, ist eine Sache.

    Dass du – unter anderem – diese, meine Kritik als Anlass nimmst, einen notwendigen und wichtigen Job schmeissen zu wollen, ist eine andere Sache, die mich emotional tief beruehrt.

    Schlaf einfach noch ein paar Naechte drueber und zieh dir bei Gelegenheit mal einen Hans Moser Film rein. Dann kannst du ueber einen grantigen griesgraemigen Wiener auch lachen ;)

    Ich wuerde mich auf einen Vortrag von dir beim A-Tag 2010 tierisch freuen.
    Have a nice day

  25. Chris Says:

    @gerald emotional willst du mich nicht erleben. Das hier ist reiner Pragmatismus. Dein Blogbeitrag hat mich verwirrt, mehr nicht. Was mich zu meiner Entscheidung getrieben hat waren andere Diskussionen im echten Leben, Messenger und anderen Kanaelen und ich sehe nicht, wie ich einen grossen Eindruck machen kann wenn die Barrierefreie Szene im deutschsprachigen Raum einfach etwas anderes braucht. Sylvia hat das klasse zusammengefasst und ich sehe das als gute Moeglichkeit fuer mehrere Ansaessige aufzustehen und was zu machen.

    Ich mache weiter meinen Job, barrierefreie Mashups und Skripte und werde auch weiter auf Konferenzen zu dem Thema sprechen – aber nicht mehr wenn nur der lokale Markt angesprochen werden soll. Wie im Vortrag beschrieben, es ist ein internationales Thema und wenn wir weiter auf Lokalebene arbeiten, arbeiten wir Europaweit und Weltweit gegeneinander anstatt zusammen was zu bewegen.

  26. Gerald - hyperkontext Says:

    @chris,
    darueber zerbreche ich mir auch schon lange den Kopf und schwanke zwischen deinem Ansatz an die Sache ran zu gehen und den buerokratischen Reglementierungen. Wahrscheinlich ist es die Mischung – wie so vieles im Leben – aus beidem, die etwas weiterbringen kann.

    Zumindest europaweite einheitliche Regelungen wuerden die Sache auf buerokratischer Ebene in helleres Licht ruecken. Das ist klar.

  27. marc Says:

    Hi Chris,

    erst einmal: Super Artikel. Und ich vermute – auch wenn ich nicht dabei war – dass du absolut zurecht zu machen willst. Aber wie viele andere hier denke ich, dass es falsch ist, wenn du das machst. Klar auch (wie andere auch schon sagten), dass es immer “Noergler” geben wird. Daran darf man sich nicht stoeren. Aber wenn ich das richtig verstehe ist das ja auch nicht, was dich frustriert. Das was dich frustriert ist ja eben auch DER GRUND warum du hier weiter machen musst. Ist ein bisschen wie die Diskussion, die ich mit meiner 6-jähirgen Tochter letztens fuehrte: “Bitte lass das warme Wasser nicht laufen. Das ist Energieverschwendung. Kostet Geld und macht unsere Umwelt kaputt.” – “Aber Papa, das macht doch jeder und wenn ich das laufen lasse, dann aendert sich doch nichts”

    Aber das ist falsch: Auch wenn du gegen Mauern rennst und im Grund recht hast, dass hier in Dland alles so verbohrt ist ist es gerade da wichtig, dass es Leute wie dich gibt, die Ihre Meinung (und dann noch auf so unterhaltsame Weise) dazu sagen und helfen Dinge zu veraendern. Im Kleinen. Aber dennoch grossartig und wichtig! Denk dran, wie du zum Beispiel auf der FFK07 bei uns den Vortrag zu Accessibility gehalten hast. Auf einer “Flash-Konferenz” ;)

    Daher: Bitte weiter machen!

    Gruss und Prost!

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